Schicksal

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Schick|sal ['ʃɪkza:l], das; -s, -e:
a) von einer höheren Macht über jmdn. Verhängtes, was sich menschlicher Berechnung und menschlichem Einfluss entzieht und das Leben des einzelnen Menschen entscheidend bestimmt:
er fügte sich in sein Schicksal.
Syn.: Bestimmung, 1 Geschick, Los.
Zus.: Einzelschicksal, Lebensschicksal, Menschenschicksal.
b) <ohne Plural> höhere Macht, die das Leben des Menschen bestimmt und lenkt:
das Schicksal bestimmte ihn zum Retter des Landes.
Syn.: Fügung.

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Schịck|sal 〈n. 11
1. alles, was dem Menschen ohne sein eigenes Zutun widerfährt, Geschick, Los
2. das menschl. Leben lenkende, nicht beeinflussbare Macht
● die Gunst, Ungunst des \Schicksals ● was mir auch das \Schicksal beschieden hat; sein: es ist anscheinend mein \Schicksal, immer zu spät zu kommen 〈umg.; scherzh.〉; das müssen wir dem \Schicksal überlassen dem Lauf der Dinge, hier können wir nichts tun; jmdn. seinem \Schicksal überlassen sich nicht mehr um ihn kümmern, ihn alleinlassen; das \Schicksal wollte es, dass ... ● blindes, unerbittliches \Schicksal; böses, grausames, schweres, trauriges \Schicksal; das gleiche \Schicksal erleiden; ein günstiges \Schicksal gab, dass ...; ein gütiges \Schicksal hat ihn vor dem Tode bewahrt; menschliches \Schicksal ● es war ihm vom \Schicksal bestimmt [<schicken + ...sal]

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Schịck|sal , das; -s, -e [älter niederl. schicksel = Anordnung; Fatum]:
a) von einer höheren Macht über jmdn. Verhängtes, ohne sichtliches menschliches Zutun sich Ereignendes, was jmds. Leben entscheidend bestimmt:
ein trauriges, tragisches S.;
das S. eines Volkes;
sein S. war besiegelt;
das S. nahm seinen Lauf;
[das ist] S. (ugs.; das muss man so hinnehmen);
sein S. tragen;
das S. vorhersagen;
sich seinem S. fügen;
sich in sein S. ergeben;
sich mit seinem S. abfinden;
Ü was wird das S. dieser alten Villen sein? (was wird mit ihnen geschehen?);
jmdn. seinem S. überlassen (sich nicht weiter um jmdn. kümmern, ihn alleinlassen);
b) <o. Pl.> höhere Macht, die in einer nicht zu beeinflussenden Weise das Leben bestimmt u. lenkt:
das S. hat ihn dazu ausersehen;
das S. herausfordern;
eine Laune des blinden -s;
S. spielen (ugs.; etw. zu lenken, zu beeinflussen suchen).

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Schicksal
 
[von älter niederländisch schicksel »Anordnung«, »Geschick«], Bezeichnung für die Erfahrung, dass vieles, was dem Menschen widerfährt oder was sich in Welt und Geschichte ereignet, nicht Resultat menschlichen Wollens und Handelns, sondern ihm »von außen« auferlegt ist. Schicksal kann dabei als Verfügung seitens numinoser Kräfte, als »Gesetz«, als Wille Gottes oder in säkularer Form als Bestimmtheit des Menschen durch seine biologischen, gesellschaftlichen oder psychischen Bedingungen erscheinen. Je nach Kontext richtet sich der Blick auch über die erfahrbare Realität hinaus auf transzendentale Perspektiven und Ziele (Eschatologie, »Gericht Gottes«). Auch in Kulturen, die von der Unabänderlichkeit des Schicksals ausgehen, findet sich dabei der Versuch, die Geschicke durch Kult, Magie, Ethik oder das Ausschöpfen aller empirischer Möglichkeiten zu beeinflussen. Ansätze eines Schicksalsglaubens finden sich schon in den Vegetations- und Fruchtbarkeitskulten der Jungsteinzeit, ausgeprägt dann in den frühen Hochkulturen, die von der Leitidee einer kosmischen Ordnung (»Rita« in der vedischen Religion, »Ascha« im Parsismus, »Moira« in der griechischen, »Fatum« in der römischen, »Maat« in der ägyptischen Religion) bestimmt sind.
 
Mit der Ausbildung des Polytheismus nehmen die numinosen Mächte personale Züge an und gewinnen deutlicher den Charakter handelnder Individuen. Meist bleiben auch sie noch der kosmischen Gesetzlichkeit unterworfen, jedoch können bestimmte Gottheiten (z. B. Varuna und Mitra in der vedischen Religion, Schamasch in der babylonischen) als Begründer oder Vermittler des Schicksals auftreten. In den seit Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. entstandenen monistischen Weltreligionen erscheint das Schicksal ausschließlich von einer universalen Gesetzlichkeit bestimmt (Dao in der chinesischen Religion, Brahman und Karma in den indischen Religionen), die die Grenzen und Möglichkeiten menschlicher Gestaltung festlegt. In den monotheistischen Religionen werden Schicksale (als »Schöpfungs-« oder »Heilsordnung«, »Heilsplan Gottes«, »Kismet«) und personaler Wille Gottes gleichbedeutend. Dieser kann entweder als allgewaltige Macht und letzte Ursache von allem aufgefasst werden, die dem Handeln und der Entscheidung des Menschen noch einen gewissen Raum (»Zweitursächlichkeit«) belassen, oder als absolute Vorherbestimmung zum Heil oder Unheil. - Im abendländischen Christentum wurde die Bestimmtheit von Welt, Geschichte und Leben des Einzelnen durch Vorhersehung und Prädestination Gottes seit Augustinus zur fast allgemein rezipierten Überzeugung. Die sich daraus ergebenden Fragen nach der ethischen »Mitwirkung« des Menschen, ihrer Heilsrelevanz und ihres Verhältnisses zur göttlichen Vorherbestimmung wurden in der Aufklärung formalisiert zur Spannung zwischen Theonomie und Autonomie des Menschen.

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Schịck|sal, das; -s, -e [älter niederl. schicksel = Anordnung; Fatum]: a) von einer höheren Macht über jmdn. Verhängtes, ohne sichtliches menschliches Zutun sich Ereignendes, was jmds. Leben entscheidend bestimmt: ein trauriges, tragisches S.; das S. eines Volkes; sein Schicksal war besiegelt; die -e, denen er begegnet war (Müthel, Baum 71); das S. nahm seinen Lauf; [das ist] S. (ugs.; das muss man so hinnehmen); ihn ereilte das gleiche S. wie seinen Vorgänger (es erging ihm ebenso); ein schweres, kein leichtes S. haben; sein S. annehmen, auf sich nehmen, meistern, tragen; das S. vorhersagen; er wird seinem S. nicht entgehen; sich seinem S. fügen; Die Menschen fischen nur vom Ufer aus. Sie fordern ihr S. nicht heraus (begeben sich nicht leichtfertig in Gefahr; a & r 2, 1997, 109); Ironie des Schicksals: Der ... Kreislaufspezialist ... erlag zwei Tage später einem Herzinfarkt (Hörzu 50, 1973, 5); sich in sein S. ergeben; sich mit seinem S. abfinden, aussöhnen; mit seinem S. hadern; sie sind vom S. geschlagen (müssen harte Schicksalsschläge hinnehmen); Ü was wird das S. dieser alten Villen sein? (was wird mit ihnen geschehen?); *jmdn. seinem S. überlassen (sich nicht weiter um jmdn. kümmern, ihn allein lassen); b) <o. Pl.> höhere Macht, die in einer nicht zu beeinflussenden Weise das Leben bestimmt u. lenkt: das S. hat es gut mit ihm gemeint, hat ihn dazu ausersehen; Diotima ..., die das S. für ihn bestimmt hatte (Musil, Mann 185); das S. herausfordern; etw. dem S. überlassen [müssen] (den Ausgang der Dinge nicht beeinflussen [können]); eine Laune des blinden -s; *S. spielen (ugs.; etw. zu lenken, zu beeinflussen suchen ).

Universal-Lexikon. 2012.

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